Asoziale Komponente im neuen TVÖD?

„Das ist ein Ergebnis, das auf die Attraktivierung des öffentlichen Dienstes insgesamt zielt.“ Frank Bsirske (ver.di Vorsitzender)

In der Aktuellen Ausgabe unserer Zeitung (April/ Mai) geben wir eine erste Einschätzung zu den Ergebnissen des der Tarifverhandlungen im Öffentlichen Dienst. Dabei kritisierten wir schon das Verzichten auf einen Sockelbetrag, auf die so hoch gelobte „soziale Komponente“. Wir schreiben: „Verdi hatte einen Festbetrag von 200 Euro gefordert […] Er ist in den Verhandlungen fallen gelassen worden und durch eine Einnmalzahlung von 250 Euro ersetzt worden.“ Damit bleibt allerdings eine zentrale Tatsache vernachlässigt: Die soziale Komponente wurde nicht einfach durch die Einmalzahlung ersetzt, sie wurde abgelöst durch eine chaotische Neuordnung der Tabelle.

Diese Neuordnung hat einerseits die Einstiegsgehälter für alle Gehaltsklassen massiv gesteigert. Dies war schließlich auch die Hauptforderung der Arbeitgeberseite, mit dem Ziel vor Augen, den „Fachkräftemangel“ zu beheben. Das ver.di sich nun damit brüstet, dieses Ziel erreicht zu haben, zeigt auf, wie sehr ver.di die Interessen der Arbeitgeberseite am Herzen liegen. Andererseits werden die unteren Einkommensgruppen aber auch grundsätzlich durch die Umstrukturierung benachteiligt. Sie fallen nicht nur der Logik der Prozente zum Opfer (6% von 3500€ sind einfach viel mehr, als 6% von 1500€), ihre Löhne steigen sogar um weniger Prozent an. Die untere Hälfte der Tabelle kommt so auf durchschnittlich einen guten halben Prozentpunkt weniger Zuwachs im Laufe der nächsten 30 Monate.

Die Umstrukturierung der Tabelle, mit der sich das verfrühte Ergebnis erkauft wurde, erreicht also alle Ziele der Arbeitgeber und benachteiligt die unteren Einkommensgruppen. Aus der geforderten sozialen Komponente wurde so eine asoziale Komponente, die den Arbeitgebern einen konkurrenzfähigen Öffentlichen Dienst, dem Großteil der Angestellten und Arbeiter aber keine großartigen Verbesserungen bringt.
Quelle: http://oeffentlicher-dienst.info/tvoed/tr/2018/