Einheitlicher Streik hätte uns allen mehr gebracht

Heraus zum 1. Mai! Hier ist der Leitartikel unserer Zeitung zum 1. Mai. Kommt alle zum Römerberg, wir werden dort einen Stand haben mit Ausstellungen und Infos zu den Abschlüssen und zur Armutsdiskussion – und mit Kaffee und Kuchen.
 
Einheitlicher Streik hätte uns allen mehr gebracht
Das erste Halbjahr 201 8 verlief kämpferisch. Sowohl in der Metall- und Elektroindustrie, als auch im öffentlichen Dienst wurde gestreikt. Hier und da konnten wir spüren, wer eigentlich diese Gesellschaft am Laufen hält: Es sind die Arbeiterinnen und Arbeiter, die tagein tagaus alle Reichtümer produzieren. Und am Ende des Tages müssen sie um jeden Cent kämpfen, der in ihre Tasche fließen soll und nicht in die übervollen Konten der Konzerne.
Ein Außenstehender würde diese Gemeinschaft als äußerst seltsam empfinden. Wo bleibt da die Vernunft? Es hetzen sich Millionen Menschen ab, produzieren und reproduzieren den gesamten Kreislauf des Lebens. Während die einen sich überarbeiten, haben andere nicht genug oder gar keine Arbeit. Sowohl die allermeisten, die arbeiten und erst recht diejenigen ohne Arbeit können von dem was sie haben, kaum leben. Für die Häuser, die sie selbst gebaut haben, müssen sie hohe Mieten zahlen, überhaupt befindet sich kaum etwas unter ihre Kontrolle und schon gar nicht „die Wirtschaft“.
Auf der anderen Seite gibt es eine ganz kleine Minderheit in der Gesellschaft, die nichts tun muss, dafür aber im Überfluss von der Arbeit anderer lebt. Der Außenstehende würde sich die Frage stellen, warumsich das die Mehrheit eigentlich gefallen lässt. Schließlich heisst ja das System, in dem diese Menschen leben „Demokratie“, also Volksherrschaft. Es wird schwer diesem Außenstehenden unsere verkehrte Welt zu erklären. Das kämpferische erste Halbjahr dieses Jahres hat uns auf jeden Fall gezeigt, dass viele von uns bereit sind rauszugehen und ihre Macht kollektiv zu demonstrieren.
Mit den Abschlüssen können wir wirklich nicht zufrieden sein. Wäre nicht etwa viel mehr drin gewesen? Da stehen hier und da mal kurz die Bänder still, da fahren mal für einen Tag die U-Bahnen und Straßenbahnen nicht und wir spüren, welche Kraft wir haben. Was wäre, wenn ausnahmsweise mal nicht nur die S-Bahnen und Straßenbahnen, sondern auch die Busse stehen geblieben wären? Oder wenn – und das hört sich ja schon fast wie ein Märchen an – die Metaller und Elektroarbeiter gleichzeitig mit dem Öffentlichen Dienst und mit den Transportfahrern im privatisierten Dienst gestreikt hätten? Welche Kraft hätte eine gemeinsame Streikaktion haben können? Und warum wird das nicht gemacht, haben wir uns gefragt.
Wir haben doch Gewerkschaften, wo wir mit Millionen Kolleginnen und Kollegen organisiert sind. Wozu gibt es den Gewerkschaftsbund, wenn nicht für solche einheitlichen Aktionsformen? Wir sollten vielleicht besser -und das mit Stolz – auf unsere Macht vertrauen, anstatt uns selbst kleiner zu reden, als wir sind. Es wird Zeit diesen unvernünftigen Verhältnissen etwas Vernünftiges entgegenzustellen.
Und vergessen wir nicht: Macht kommt von machen.