Kinder, Kinder

Gedanken einer jungen Frau zum Thema „Kinder kriegen“
Wenn eine Frau sich ein Kind wünscht, zerbricht sie sich über alles Mögliche den Kopf: zuerst braucht sie dafür den entsprechenden Mann. Einen, der einen guten Charakter und die richtigen Prioritäten hat. Das Kind sollte unter guten Voraussetzungen aufwachsen: Ich persönlich denke, dass es nicht gut für ein Kind ist, ohne Geschwister aufzuwachsen, deshalb möchte ich mindestens zwei Kinder bekommen. Meine Kinder sollen mit beiden Elternteilen aufwachsen. Unsere Beziehung muss also so stabil sein, dass sie möglichst für immer hält. Ich möchte aber auch, dass wir als Eltern viel Zeit für unsere Kinder haben und eine tiefe Bindung zu ihnen aufbauen. Außerdem wünsche ich mir, dass meine Kinder naturnah aufwachsen und ein gutes soziales Umfeld haben. Dazu gehören gute Freunde und Bekannte ebenso, wie ein inniges Verhältnis zu Großeltern, Onkeln und Tanten. In der Realität ist es sehr schwierig, all diese Wünsche zu befriedigen.
Wie bei den meisten Familien wird uns ein Einkommen allein nicht ausreichen, um eine ganze Familie zu ernähren. Mit zwei Kindern natürlich noch weniger. Wir werden also beide arbeiten müssen. Doch selbst wenn wir beide arbeiten, ist nur noch wenig Zeit für unsere Kinder übrig. Wollen wir mehr Zeit für die Kinder müsste einer von uns doch zu Hause bleiben, bis das Kind drei Jahre alt ist und in die Kita kann. Leider muss man sich in unserer Gesellschaft entscheiden: Zeit oder Geld – beides geht nicht! Es ist nicht einfach im Rhein-Main-Gebiet einen Ort zu finden, an dem wir unsere Kinder in der Natur aufziehen können, denn bis man weit genug von Frankfurt weg ist, um in der Natur zu leben, ist die Entfernung zu groß, um z.B. regelmäßig zu den Großeltern in Frankfurt zu fahren. Dazu kommt, dass es auf dem Land kaum Arbeit gibt. Ich werde Lehrerin und habe relativ gute Chancen, auf dem Land eine Stelle zu bekommen, doch das ist die Ausnahme. Die meisten Menschen können auf dem Land nicht in ihrem Beruf arbeiten. Sie müssen pendeln oder zu ihrer Arbeit in die Stadt ziehen, wo Wohnraum knapp, klein und teuer ist.
Bis ich mein Studium beendet habe, bin ich mindestens 27 Jahre alt. Sogar der letzte Wunsch, jung Mutter zu werden, ist also schwer umzusetzen. Ich habe mich dafür entschieden, Lehramt zu studieren, um von meinem eigenen Gehalt leben zu können und trotzdem Spaß bei der Arbeit zu haben.  
Natürlich hätte ich auch Realschulabschluss und eine Ausbildung machen können. Doch auch hier: Zeit oder Geld – beides geht nicht! Ich habe auch Bekannte, die sich dafür entschieden haben, während dem Studium Kinder zu bekommen, doch wie riskant ist das und vor Allem wie anstrengend? Ausbildung, Arbeit und Familie zur gleichen Zeit! Und was bedeutet das für die Kinder? Kinder brauchen Aufmerksamkeit, Essen, Kleidung, Hobbys, gute Bildung für eine möglichst gute Lebensperspektive u.v.m. 
Ich habe Glück, ich habe eine relativ gute Perspektive für mein Leben und trotzdem habe ich Bedenken, was die Gründung einer Familie angeht. Wie muss es erst sein, wenn man nicht so gute Voraussetzungen hat wie ich? Eine Bekannte von mir wurde mit 27 ungewollt schwanger und war mittellos. Der Vater des Kindes wollte nichts davon wissen und verließ sie. Sie hatte einen Realschulabschluss und eine abgeschlossene Ausbildung als Altenpflegerin, doch nachdem es ihr psychisch immer schlechter gegangen war, konnte sie in ihrem Beruf nicht mehr arbeiten. Sie war gerade auf dem Weg der Besserung und hatte eine zweite Ausbildung als Schreinerin angefangen. Diese durfte sie als Schwangere aber nun nicht mehr beenden. Eine Abtreibung konnte sie mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren. Und sie ist kein Einzelfall, es gibt viele Frauen, die kein ausreichendes Einkommen haben und/oder alleinerziehend sind. 
Zum Schluss läuft alles auf denselben Punkt hinaus: Die Welt, in der wir leben, macht uns eine gesunde Kindheit und ein gutes Familienleben schwer und es will gut überlegt sein, Kinder in diese Welt zu setzen.