Was heißt eigentlich Demokratie?

Unsere neue Zeitung ist da. Es geht um Demokratie, Streiks und Wahlen.

hier die pdf-Datei: ZseV-Ztg-Feb18-Einzelseiten.

Im Moment geht es viel um Wahlen, die Bundestagswahl liegt hinter uns und die Oberbürgermeisterwahl in Frankfurt steht an. Wir wollen einfach mal die Frage stellen: Was heißt eigentlich Demokratie? Das Wort Demokratie kommt aus dem Griechischen. Demos heißt Volk und Kratos heißt Herrschaft oder Macht. Demokratie bedeutet folglich Volksherrschaft oder Macht des Volkes. Was aber verbirgt sich hinter den Begriffen „Volk“ und „Herrschaft“? Der Duden definiert „Volk“ so: Durch gemeinsame Kultur und Geschichte (und Sprache) verbundene große Gemeinschaft von Menschen, die (mittlere und) untere Schicht der Bevölkerung […]“. Das Volk hat nichts mit „Blut“ zu tun. Vielmehr verändert sich die Zusammensetzung des Volkes durch gesellschaftliche Veränderungen. Das heute in Deutschland lebende Volk ist ganz anders, als vor 500 oder 1000 Jahren. „Herrschaft“ definiert der Duden folgendermaßen: „Recht und Macht, über jemanden zu herrschen […].“ Demokratie ist also, kurz gesagt, wenn das Volk herrscht – also bestimmt, wo es lang geht. Schauen wir uns jetzt die Demokratie, also Herrschaft des Volkes in unserer Gesellschaft an: Wir leben in einer Gesellschaft, in der es offensichtlich viel Reichtum, entwickelte Technik, Industrie und so weiter gibt. Komischerweise haben die Menschen, die arbeiten und Kinder groß ziehen, den geringsten Anteil an diesem Reichtum und Produkten der Gesellschaft. Wenn aber das Volk herrscht, warum hat dann die Mehrheit der Menschen immer weniger Geld und Zeit und immer mehr Stress? Wieso werden dann nicht genug bezahlbare Wohnungen gebaut, damit alle menschenwürdig wohnen können? Warum werden Lebensmittel und andere Dinge, die jeder braucht, wie zum Beispiel Strom, immer teurer, so dass sich viele immer weniger davon leisten können? Warum sind viele ausgegrenzt von dem Reichtum, den es gibt. Wenn das Volk, also alle, oder zumindest die Mehrheit wirklich bestimmen würden, dann würde es anordnen, dass lebensnotwendige Güter wie Nahrungsmittel, Kleidung oder die Heizkosten so günstig sein müssen, dass alle sich das, was sie zum Leben brauchen, leisten können, dass es weniger Stress bei der Arbeit und Arbeit für alle geben würde. Aber: Wenn nicht das Volk herrscht, wer tut es dann? Wer hat hier die Macht? Sind es die Politiker? Oder sind es die Aktien-, Immobilien- und Fabrikbesitzer? Jeder weiß doch, dass das Volk nicht wirklich herrscht… … sondern nur glauben soll, dass es herrscht. Früher sollte das Volk glauben, dass der König seine Alleinherrschaft durch Gott geschenkt bekommen hat, heute sollen wir glauben, dass wir – das Volk – selbst herrschen. Dafür gibt es die Wahlen. Auch dafür mussten wir in der Geschichte hart kämpfen. Seit der Erkämpfung der parlamentarischen Demokratie haben viele die Hoffnung, dass das Volk durch ein Parlament wirklich bestimmen kann, wie die Gesellschaft organisiert wird. Heute wissen wir, dass das nicht stimmt. Es gibt zwar Wahlen, in denen wir aussuchen dürfen, wer die Regierung stellen soll. Die Regierungen verändern aber nicht die Verhältnisse nur weil wir sie gewählt haben. Auch sie müssen sich an die Spielregeln halten. Und diese werden nicht durch Wahlen, sondern durch Macht, also durch Geld bestimmt. Auch das weiß eigentlich jedes Kind. Auch die Gesetze, die verabschiedet werden, auch die Verfassung, also bei uns das Grundgesetz, schützt diejenigen, die die Macht haben. Und wenn nicht, dann wird es verändert oder abgeschafft. Und weil das Volk nicht blöd ist und weil das Volk das immer wieder erkennt, werden immer wieder neue Parteien ins Rennen geschickt, die im Namen des Volkes sprechen. Wenn man aber ihre Politik anschaut, dann sind sie nicht für das Volk, sondern gegen das Volk. Ist es also egal, wer gewählt wird? … Könnte es eine Partei geben, die tatsächlich unsere Interessen vertritt, auch nach der Wahl? Woran würde man die von jenen Parteien unterscheiden können, die von vornherein nur so tun als ob? Wie könnte sichergestellt werden, dass die Partei, die sich wirklich für uns, also für das Volk, einsetzen wollte sich nicht durch Geld und Macht verführen ließe? Und könnte eine solche Partei im Parlament aufdecken, wie es dazu kommt, dass unsere Interessen nicht durchgesetzt werden? Was würde eigentlich passieren, wenn dann eine Partei, die das ernsthaft verändern will, die Mehrheit bekommen würde? Was würde dann in unserer Demokratie passieren?