Vor 100 Jahren: Streiks gegen den Krieg

Der erste Weltkrieg wurde 1914 begonnen und dauerte bis 1918. Er hatte nicht nur Millionen von Tote und massenhafte Zerstörung zur Folge, sondern führte auch zu einer Hungerkrise in Deutschland. Alles wurde auf die Kriegsproduktion umgestellt, die Nahrungsmittel wurden immer teurer und die zugeteilten Rationen immer kleiner. Die Löhne sanken und die Arbeitszeiten wurden massiv ausgeweitet. Viele Frauen wurden in die Fabriken geschickt, da die Männer an der Front waren. Sie bekamen aber deutlich weniger Lohn als die Männer.
 
Es kam zu Hunger und Epidemien. Nach der Oktoberrevolution in Russland begannen auch die Arbeiter in Deutschland zu demonstrieren und zu streiken. Im Januar und Februar kam es zu großen Streiks in der Rüstungsindustrie in Berlin, die sich schnell auf ganz Deutschland ausweiteten. Mehr als 1 Million Arbeiter und Arbeiterinnen streikten, es gab große Demonstrationen. Die Forderung war das Ende des Kriegs und der Monarchie.

 
Die SPD-Führung setzte alles daran, die Streiks abzubrechen und wieder die „Ordnung herzustellen“. Später sagte der SPD-Poliitker Scheidemann, dass man der SPD dafür eigentlich dankbar sein müsste, denn sonst wäre der Krieg schon im Januar 1918 vorbei gewesen. Wieviele hunderttausend Soldaten hätten nicht sinnlos ihr Leben verloren?
 
Das Oberkommando verbot die Streiks und setzte die Polizei ein, die das Gewerkschaftshaus in Berlin besetzte. Der Belagerungszustand wurde verhängt, also die Stadt unter Kontrolle des Militärs gestellt. Es gab Massenverhaftungen und die Anordnung, die Arbeit wieder aufzunehmen. Am 4.2. waren die Streiks beendet. Aber sie waren ein Wendepunkt in der Geschichte, der erste Schritt zur Revolution, die im November 1918 das Kaiserreich stürzte und überall Arbeiter- und Soldatenräte bildete.