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Sanierung der Siedlung „Im Füldchen“ wirft viele Fragen auf
Märchenstunde bei der Wohnheim GmbH: Es war einmal eine Siedlung, deren Bewohner so lange auf Besserung warten mussten, bis sie nun endlich saniert werden sollte. Ein neues Leben in warmen Wohnungen mit modernen Bädern begann. So oder so ähnlich könnte die Märchenstunde beginnen, die von der Wohnheim GmbH am 5. September veranstaltet wurde und über die Sanierungspläne der Siedlung „Im Füldchen“ informieren sollte.

 

Ausweichende Ideen
Der Geschäftsführer der ABG Frankfurt Holding, Dr. Westphal, gestand zu Beginn ein, dass es sich nicht um belastbare Informationen handele, die er mitgebracht habe, sondern nur um „Ideen“. Er begann gleich mit dem ersten Märchen: „Wer zurück will, kann zurück, niemand wird vertrieben.“

Mit dieser Aussage sollten die Bewohner der Siedlung „Im Füldchen“ beruhigt werden. Die Sanierungs-„Ideen“, die nun folgten, sollten den Bewohnern eindrücklich klar machen, dass zum einen die Häuser auseinander genommen werden und zum anderen danach in dieser Form nicht mehr existieren würden. Da hatte der Geschäftsführer auch flugs ein paar „Ausweich-Ideen“. Unter anderem die Altenwohnanlage in der Alexanderstraße in Rödelheim. Dort wurden übrigens gerade die Alten rausgedrängt und nun wird teuer saniert. Ob das wirklich für die Bewohner des Füldchens gedacht ist?  Es steht noch nicht einmal fest, ob es wieder eine Altenwohnanlage werden soll.

Wer kann zurückkommen?
Grund zur Beunruhigung besteht also tatsächlich. Nach einer nun beabsichtigten Sanierung der Siedlung dürften die Quadratmeterpreise auf ein Vielfaches ansteigen – die sehr gute Lage der Siedlung ist Gold wert. Klar ist aber, dass viele der 1-Zimmer-Wohnungen zu Familienwohnungen oder Zweiraumwohnungen zusammengelegt werden sollen und von den neuen Wohnungen nur noch ein Teil zum Miettarif des sozialen Wohnungsbaus, also 5,50 € pro Quadratmeter angeboten werden wird. Wie groß dieser Teil sein wird, beantwortete Herr Westphal elegant mit Schweigen. Wer nun 1 und 1 zusammenzählt, kann sich ausrechnen, dass in gar keinem Fall alle jetzigen Bewohner wieder zurück können, sondern aller Voraussicht nach nur ein Bruchteil. Da es sich ohnehin nur um „Ideen“ handelt und nicht um konkrete Pläne und Grundrisse, ist auch denkbar, dass gar keine Wohnungen mehr Sozialwohnungen sein werden. Beim Projekt „Riedbergpark“, das die ABG als „Wohnen für Alle“ preist, wird keine einzige Sozialwohnung für 5,50 € pro Quadratmeter gebaut. Der Mietpreisbindung auf maximal 5,50 € pro Quadratmeter unterliegen nur Wohnungen, die mit öffentlichen Krediten bezahlt wurden. Die ABG Frankfurt Holding hat genug Geld, um das große Areal rund um den Universitäts-Campus Bockenheim kaufen zu können. Es dürfte also locker reichen für einen Umbau des „Füldchen“ ohne Kredite. Damit wäre auch das weitere Märchen des Dr. Westphal von der „sozialen Wohnheim GmbH, die keine Gewinne anstrebe“ entzaubert. Zu den Gewinnziffern der ABG siehe den Info-Kasten.

Was passiert mit den Häusern 10 bis 28?
Eine Aussage, die am Rande fiel, lässt ebenfalls staunen. Als Mieter der Häuser 10-28 nachfragten, was denn mit ihren Wohnungen passieren solle, schließlich seien diese auch marode, sagte der Geschäftsführer einer der größten Wohnungsbaugesellschaften Frankfurts, das sei völlig unklar. Für die Häuser 2-8 existieren also nur „Ideen“ und was mit dem Rest passiert, weiß niemand. Das ist für eine Holding, die teure Energieprojekte ausführt, ganze Stadtteile umkrempelt (City West) und über reichliche Erfahrungen bei Planung und Bau verfügt, mehr als merkwürdig. Nach der „Informationsveranstaltung“ ist aber davon auszugehen, dass viele Mieter auch der Häuser 10-28 bei der Wohnheim nachfragen werden, ob es nicht ein Angebot für sie gäbe. Wer weiß, wie viele Mieter in ein bis zwei Jahren noch in der Siedlung wohnen. Kalkuliert die Wohnheim etwa damit?

Die Rechte der Mieter
Die Mieter der Siedlung „Im Füldchen“ sollten eines wissen. Im Gegensatz zu den wenig belastbaren „Ideen“ der Geschäftsführung der Wohnheim GmbH haben sie einen gültigen Mietvertrag, der nicht einfach so gekündigt werden kann. Bevor man irgendetwas unterschreibt, was diesen Mietvertrag aufhebt, sollten sich die Mieter an die Mietervereinigung wenden, die gerade gegründet wird. Dort gibt es Informationen über die Rechte als Mieter und Überlegungen, wie man gemeinsam auf die „Ideen“ der Wohnheim reagiert und auch, welche Ideen die Mieter selbst für ihre Siedlung haben.